Die Kelten (lat. celtae, galli, griech. celtoi, galatai - die Tapferen, die Edlen) 

Der Begriff Kelten tauchte schon recht früh in der Geschichte auf. In der Antike wurde eine Gruppe von Völkern und Stämmen in Europa und Kleinasien Kelten genannt, die sich in ihrer Kultur und Sprache recht ähnlich waren.

                                                                                                                 (Bild Quelle: Wikipedia Celts in Europe)

La-Tène-Kultur

Der Hallstattkultur (800 bis 480 v. Chr) folgt die sogenannte "Zeit der klassischen Kelten"  welche mit der La-Tène-Kultur gleichgesetzt wird, die im 5.-1. Jahrhundert v. Chr. weite Teile Mitteleuropas prägte (ab ca. 480 v. Chr. bis 40/0 v. Chr., je nach Region). Im 19. Jahrhundert wurden in der Westschweiz reiche Funde gemacht, auf deren Fundort in der Nähe des Neuenburgersees sich der Name "La-Tène" bezieht.

Die La-Tène-Zeit war die Blüteperiode der keltischen Kultur. Die Kelten begannen Städte "d.h. Oppida" zu errichten. In dieser Zeit entwickelten sie sich zu einer Hochkultur. Ihre Handwerks- und Kunstfertigkeiten waren hoch entwickelt, sie betrieben Fernhandel und hatten differenzierte gesellschafliche und wirtschafliche Strukturen. Das einzige, das dem entgegensteht ist, dass keine Aufzeichnungen in Schriftform gemacht wurden. Es ist aber fast sicher, dass das Wissen mündlich weitergegeben wurde und das sehr exakt.

Die Kelten sind vielerorts zu finden gewesen. Ausgehend von Oberitalien im 6.Jhdt v.Chr. wanderten sie bis nach Nordspanien und Portugal, wobei die Kelten die einheimischen Kulturen nicht verdrängten. Stattdessen nahmen die Kelten allmählich Kulturelemente der ansässigen Gesellschaft an. Daher kommt es auch, dass die in Nordspanien und Portugal lebenden Menschen der späten Eisenzeit auch als "Keltiberer" bezeichnet werden.

Es sind aber auch keltische Gruppen bekannt, die durch weniger friedliche Methoden in anderen Gebieten ansässig wurden. In Oberitalien z.B. griffen Kelten, die sich in der Poebene niedergelassen hatten, zu Beginn des 4. Jhdts v.Chr. Rom an. Ihr Heerführer ist unter dem Namen "Brennus" bekannt, der bei der späteren Weltmacht ein lang anhaltendes Trauma hinterließ.

In der ersten Hälfte des 1. Jhdts v.Chr. verschwand die keltische Kultur dann allerdings weitgehend. Es wird vermutet, dass dies mit dem Vorrücken der germanischen Stämme nach Süden hin zusammenhängt. In einigen Gebieten allerdings hielt sich die keltische Lebensart. So entstand z.B. nach der Eroberung durch die Römer unter Caesar in Gallien, südlich der Donau (damals "Rätien" genannt), im heutigen Saarland, der Rheinland-Pfalz und in Bayern eine eigenständige gallo-römische bzw. norisch-pannonische Kultur.
 

Die Weltsicht der Kelten

Auch wenn es viele verschiedene Keltenstämme gab, so kann man doch grundlegend 2 Weltsichten im Keltentum unterscheiden, jene der Kelten des europäischen Festlands und jene der Kelten der britischen Inseln. 

Grundlegend sollte man zuerst einmal festhalten, dass es zu überprüfen ist, inwiefern die von der Archäologie definierten Götter, von den Kelten überhaupt als solche betrachtet wurden. Ein grundlegendes Missverständnis könnte darin bestehen, dass die keltischen Mythenwesen immer wieder mit römischen und griechischen Göttern gleichgesetzt werden. Dieses Missverständnis kommt vor allem daher, dass die Römer und Griechen viele Wesenheiten aus anderen Kulturen übernahmen und ihre Namen in die entsprechendem Götternamen einfliessen liessen, wie z.B. Mercurius Toutenus. Es gibt keinen archäologischen Beweis dafür, dass die Kelten diese Wesen wirklich gottgleich verehrt haben. Dies lässt ebenso vermuten, dass sie eher Aspkete des täglichen Lebens darstellte.


Festlandkelten 
(Bild Quelle: Wikipedia Gundestrupkaret2)

Die Mythologie der Festlandkelten ist grossteils verschollen. Es gibt nur wenige archäologische Zeugnisse wie den Kessel von Gundestrup. Da von den Göttern fast ausschliesslich die Namen überliefert sind, kann man höchstens aufgrund von Fundorten ihre Funktion vermuten.

Laut Caesar gab es einen "Heiligen Hain" als kulturelles Zentrum im Gebiet der Karnuten. Dort soll die alljährliche Druidenversammlung stattgefunden haben. Man kann aber davon ausgehen, dass es weitaus mehr heilige Haine gab, die als Ritual- und Versammlungsstätten für die Druiden gedient haben. So ist z.B. bekannt, dass auch die Galater in Kleinasien einen heiligen Hain pflegten.

Weiterhin ist bekannt, dass es durchaus rege Kontakte zu den Inselkelten gab. Das zeigt sich z.B. dadurch, dass Formen der Artus-Saga auch auf dem Festland überliefert wurden.

Ein Priesterkönigtum ist ziemlich sicher belegt. Das zeigt sich z.B. in den Namen der Stammesführer wie Deotaros, in den der Himmelsstier oder der Stier des Landes eingeflossen ist. Aufgabe dieser Priesterkönige war die Leitung grosser Bauvorhaben und das Pflegen von Kontakten zu anderen Stämmen sowie die Kontrolle des Handels. Die Position des Stammesführers wurde vermutlich nicht vererbt, sondern durch Wahlen festgelegt, so dass besonders herausragende Persönlichkeiten diese Position inne hatten. Dies lässt sich zumindest für die Haeduer anhand von genetischen Proben nachweisen.

Die geistigen und spirituellen Führer waren, wie auch bei den Inselkelten, die Druiden. Ihre Aufgaben lagen in der Pflege von spirituellen Handlungen, der überlieferung von Wissen und der Sprechung von Recht. Damit bildeten die Druiden die intelektuelle Oberschicht der keltischen Gesellschaft. Durch ihre durchaus auch weltlichen Aufgaben, wie die Rechtssprechung, ergab sich eine gewisse Machtstellung auch gegenüber der Stammesführer. Die Ausbildung zum Druiden dauerte laut Caesar bis zu 20 Jahre. Auch wenn Caesar schrieb, dass die Druiden nicht an Kriegen teilnahmen, ist dies bis heute fraglich, da sie nachweislich bei den Inselkelten die magische Rückendeckung darstellten. Tacitus z.B. berichtete darüber, dass die römischen Soldaten bei der Anlandung auf den britischen Inseln durch die magischen Gesänge der Druiden verunsichert wurden. Allerdings kann hier auch ein Unterschied zwischen Festland- und Inselkelten bestehen.

Die Kunst der Festlandkelten wurde stark durch andere Völker geprägt, allerdings entwickelten die Kelten daraus sehr schnell eigene Stile. Deutliche Vorbilder sind nachweislich in der orientalistischen Kunst der Griechen und Etrusker zu finden. Ob es künstlerische Literatur gab, kann heute nicht mehr nachgewiesen werden. Man weiss aber, dass einige mittelalterliche Erzählungen durch festlandkeltische überlieferungen geprägt wurden. Ziemlich sicher wurden viele Legenden, Sagen und Mythen durch die Druiden in Form von Bardentum mündlich überliefert. Dass die Kelten Musik hatten, ist durch Texte aus Griechenland belegt. Allerdings sind Art und Klang verloren gegangen. Verschiedene keltischen Münzen zeigen Saiteninstrumente, die der griechischen Lyra sehr ähneln.

 

Kelten auf den Britischen Inseln

Es ist umstritten, welchen Ursprung die Kelten der britischen Inseln haben. Sicher ist allerdings, das die Kelten des Festlandes mit denen der Inseln viele Ähnlichkeiten hatten. So gab es sowohl in der Kultur als auch in der Sprache einige Parallelen. Vom 1.-5. Jhdt. n.Chr. gehörten Teile der britischen Inseln zum Römischen Reich. Doch die Einwohner kehrten in ihre La-Tène-zeitliche Kultur zurück, nachdem die Römer wieder abgezogen waren. Das Einzige, das sie beibehielten war das (noch keltische) Christentum. Dieses Inselkeltentum blieb in den Randzonen Wales und Cornwall noch bis ins 8. Jahrhundert n. Chr. eigenständig. z.B. der britisch-keltische Mönch "Patrick" setzte sich damals sehr für die römisch-imperiale Christianisierung ein.

 

Inselkelten

Vor allem die keltische Linguistik versteht unter den Inselkelten die vorangelsächsische Bevölkerung aus dem Süden Britanniens. Da sie durch die Eroberungen durch angelsächsische und friesische Stämme zum Teil in die Bretagne vertrieben wurden, zählt man diese im Allgemeinen zum Gebiet der Inselkelten. Sie benannten die Bretagne als Klein-Britannien. Einige der ersten eingewanderten Priester der Briten, werden noch heute als bretonische Heilige verehrt.

Die Inselkelten der Bretagne mischten sich bald und vollständig mit der ursprünglichen Bevölkerung. Trotzdem bewahrten sie im Gegensatz zur romanisierten Vorbevölkerung ihre Sprache und Kultur, da sie noch lange den Kontakt zu den Britischen Inseln hielten.